13.08.2018 | Forschung

Geschäftsmodelle für die Industrie 4.0

Wie die Digitalisierung in der regionalen Wirtschaft Fuß fasst

Eine neue Studie der ESB Business School an der Hochschule Reutlingen untersucht die Bedeutung digitaler Geschäftsmodelle für kleine und regional agierende Unternehmen und stellt Good Practice Beispiele aus diesem Bereich vor. Foto: Hochschule Reutlingen

Von: Agnieszka Grzesiak, Katrin Reil

Wie kann die regionale Wirtschaft digitale Geschäftsmodelle methodisch, nutzenstiftend und zielgerichtet für sich erschließen? Eine neue Studie der ESB Business School an der Hochschule Reutlingen gibt erste Antworten auf diese Frage. Im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung leistete das Projekt „Geschäftsmodelle für die Industrie 4.0“ gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO rund zwei Jahre Forschungsarbeit. Insbesondere kleinere Unternehmen erhalten durch die Ergebnisse eine Hilfestellung bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle.

Im Rahmen der Studie wurden erfolgreich implementierte digitale Geschäftsmodelle branchenunabhängig und national sowie international hinsichtlich ihrer Erfahrungen, Schwierigkeiten und Erfolgsfaktoren untersucht. Gleichzeitig befragten die Projektpartner regionale Unternehmen ohne digitales Geschäftsmodell zu ihrer Einschätzung der Thematik und den aus ihrer Sicht existierenden Hindernissen.

Unternehmen, die bereits Erfahrung mit der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle sammeln konnten, so eines der Ergebnisse, haben grundsätzlich eine positivere Einstellung zu diesem Thema als Unternehmen ohne Vorerfahrung. Die derzeit existierenden Projekte und Initiativen gehen jedoch mehrheitlich nicht auf zielgerichtete Innovationsprozesse oder aktuelle Diskussionen über das Thema Industrie 4.0 zurück. Sie entstanden häufig aus unternehmensinternen Problemstellungen, deren Lösung in ein Geschäftsmodell übertragen wurde.

 „Das kommerzielle Potenzial eines digitalen Geschäftsmodells lässt sich nicht final vorhersagen. Wie für jedes andere Innovationsvorhaben auch braucht man eine gewisse Risikobereitschaft. Das kann ein Problem darstellen“, so Prof. Dr. Vera Hummel, Koordinatorin des Forschungsprojektes an der ESB Business School. Als wesentlicher Erfolgsfaktor erwiesen sich externe Partner, die die für den spezifischen Fall benötigten Technologien beherrschten und ihr Know-how von außen einbrachten.

Unternehmen mit bereits umgesetzten digitalen Geschäftsmodellen verfügen zudem signifikant häufiger über eine Digitalisierungsstrategie sowie einen dafür verantwortlichen Mitarbeiter. Unternehmen ohne derartige Modelle kennen die Thematik zwar, können ihr Potenzial aber nur unzureichend ergründen oder auf sich selbst übertragen.

„Die Wahrnehmung der aktuellen und künftigen Bedeutung digitaler Geschäftsmodelle unterscheidet sich in den untersuchten Unternehmen sehr stark. Dies kann zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen“, so Prof. Hummel. Mit erfolgreichen Praxisbeispielen aus unterschiedlichen Bereichen soll die Studie auch als Anstoß dienen, proaktive Maßnahmen zur Geschäftsmodellerstellung zu ergreifen. Dafür wurden Erfolgskriterien für die Selektion von Good Practice Beispielen definiert und Leuchtturm-Unternehmen identifiziert. Sechs beispielhafte Implementierungen digitaler Geschäftsmodelle werden im Rahmen der Untersuchung vorgestellt.

Insgesamt belegen die Studie „Geschäftsmodelle für die Industrie 4.0“ und die dargestellten Erfolgsbeispiele, dass der Weg in ein digitalisiertes Geschäftsmodell bei zielgerichtetem, strukturiertem und effizientem Vorgehen auch bei kleinen und regional agierenden Unternehmen von Erfolg gekrönt ist. Die ESB Business School und das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO unterstützen Unternehmen bei der Digitalisierung ihres Geschäftsmodells auf Wunsch aktiv. Der Entwicklungsprozess folgt einer sequenziellen Logik aus Potenzialbestimmung, Ideenfindung, Ausgestaltung, Test und Implementierung.

Die vollständige Studie können Sie hier nachlesen oder rechts im Servicepanel herunterladen.