03.04.2019

Fußball macht glücklich

Eine neue Studie von Prof. Dr. Gerd Nufer untersucht den „Halo-Effekt“ im Profi-Fußball

Prof. Dr. Gerd Nufer forscht zum Thema Sportmanagement.
Prof. Dr. Gerd Nufer hat in seiner neuesten Studie den "Halo-Effekt" im Profi-Fussball untersucht. / A new study by Professor Dr Gerd Nufer examines the halo effect in professional soccer.

Lena Jauernig

Prof. Dr. Gerd Nufer lehrt an der ESB Business School zum Themenbereich Marketing und ist Akademischer Leiter des berufsbegleitenden Master-Programms International Retail Management, das in Kooperation mit der KFRU angeboten wird. Nufer leitet außerdem am Reutlingen Research Institute (RRI) der Hochschule Reutlingen die Forschungsgruppe „Sportmanagement“. Zusammen mit den Co-Autoren David Mariot und André Bühler hat der ESB Professor jetzt eine neue Studie veröffentlicht, die den sogenannten Halo-Effekt im Profi-Fußball untersucht.

Der Begriff Halo-Effekt kommt ursprünglich aus der Sozialpsychologie, hat aber unter anderem auch im Marketing Eingang gefunden. Das Phänomen beschreibt eine kognitive Verzerrung, die darin besteht, von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte Eigenschaften zu schließen. Der Effekt tritt dann auf, wenn eine Information über ein hervorstechendes Merkmal die Beurteilung anderer Eigenschaften prägt. Bei einer positiven Verzerrung spricht man auch vom "Heiligenschein-Effekt", bei einer negativen vom "Teufelshörner-Effekt".

„In einem sportbezogenen Kontext ist der Halo-Effekt bislang kaum erforscht worden, obwohl dies wesentlich dazu beitragen könnte, das Denken und Verhalten von Sportfans zu verstehen“, so Nufer, der für seine Studie eine empirische Untersuchung durchgeführt hat, in deren Rahmen über 4000 Fans von ausgewählten Vereinen aus der deutschen Fußball-Bundesliga befragt wurden.

„Die zentrale Forschungsfrage des Beitrags lautet: Gibt es einen Halo-Effekt im Fußball?“, erzählt er. Das Forscherteam untersuchte drei konkrete Forschungshypothesen: 1) Wenn ein Verein sportlich erfolgreich (nicht erfolgreich) ist, dann nehmen Fans das Management des Vereins als positiv (negativ) wahr. 2) Wenn ein Verein sportlich erfolgreich (nicht erfolgreich) ist, dann nehmen Fans nicht-sportliche Aspekte in ihrem Leben als positiv (negativ) wahr. 3) Der sportliche Erfolg (Misserfolg) des Lieblingsvereins hat einen Einfluss auf das subjektive Glücksgefühl eines Fans.

Das Ergebnis: Alle drei formulierten Forschungshypothesen ließen sich vorläufig bestätigen. Die Ergebnisse der durchgeführten Analysen belegen die Verzerrung der Wahrnehmung der Fans hinsichtlich sportnaher als auch nicht-sportlicher Aspekte, ausgelöst durch den sportlichen Erfolg oder Misserfolg ihres Lieblingsvereins. „Es liegt also ein Halo-Effekt vor: Ist das Team sportlich erfolgreich, werden sowohl sport-nahe als auch nicht-sportliche Aspekte positiver wahrgenommen. Fans sind bei guten Leistungen ihrer Mannschaft sogar insgesamt glücklicher. Ist dagegen die eigene Mannschaft nicht erfolgreich, werden auch andere Aspekte negativer beurteilt“, fasst Nufer zusammen. Aus den vorliegenden Untersuchungsergebnissen haben die drei Forscher Empfehlungen für die Sportmanagement-Praxis abgleitet.

Publikation: 
Nufer, Gerd / Mariot, David / Bühler, André (2019): Existiert ein Halo-Effekt bei Fans im deutschen Profi-Fußball? – Ergebnisse einer empirischen Analyse, Implikationen für die Sportmanagement-Praxis und aktueller Bezug, in: Sciamus – Sport und Management, Heft 1, S. 1-25