20.06.2016

Ganz schön helle

Studierende bauen Taschenlampe im Rahmen eines Social Manufacturing Projekts

von links: Sebastian Lutz, Laura Scherer, Anne Stenger und Abdullah Özdin

Stefanie Giebert

"Aus der Region für die Zukunft"- unter diesem Motto beschäftigen sich vier Studierende der ESB Business School aus dem Studiengang MSc Operations Management mit dem Thema Social Manufacturing. Die Studierenden müssen dabei unter anderem folgende Fragen klären: Was ist "Social Manufacturing"? Wie wird es angewandt? Wo liegt noch Forschungsbedarf?

Soviel sei schon verraten: Social Manufacturing beschreibt ein Phänomen, bei dem Produkte nicht mehr nur von großen Unternehmen hergestellt werden. Mit Hilfe der Digitalisierung können auch kleine Firmen oder Einzelpersonen Produkte entwickeln und herstellen lassen. Es bilden sich dabei digital vernetzte Produktionsgemeinschaften, die etwa 3D-Druckdienstleistungen anbieten – so etwas wie Facebook für die Produktion.

Unter der Leitung der Professorin Vera Hummel beschäftigen sich nun Anne Stenger, Laura Scherer, Sebastian Lutz und Abdullah Özdin aus dem mit dem spannenden Thema. Betreut wird das Projekt von Beate Brenner, Mitarbeiterin der fakultätseigenen Logistik-Lern-Fabrik.

Um ihre theoretischen Erkenntnisse auch praktisch anzuwenden, entwickeln die Studierenden nun Produktideen für einen Werbeartikel und zwar unter Verwendung von Rohrresten aus der Logistik-Lern-Fabrik der ESB Business School. Zur Ideengewinnung schrieben sie im April einen Kreativwettbewerb über die sozialen Medien aus und erreichten ungefähr 14.000 Menschen. Innerhalb von 16 Tagen reichten kreative Köpfe – vor allem aus Reutlingen und Umgebung, aber auch aus Südafrika und Paris – 75 Produktideen ein. Es folgte ein Ideenworkshop mit einer Jury aus Professoren und Lern-Fabrik-Mitarbeitern. Bei dieser „Idealympics“ bewertete die Jury in mehreren Stufen die Projektideen.

Ein Kriterium, dass das Produkt erfüllen musste, war die Verwendung von anfallendem Restmaterial des Rohrstecksystems durch die kontinuierliche Weiterentwicklung des Arbeitssystems der ESB Logistik-Lernfabrik. Zudem sollte es möglichst eine möglichst breite Zielgruppe emotional ansprechen – ein Rollator oder eine Zigarrenbox waren daher zu speziell. Es durfte überdies nicht zu groß sein, was einen Besen als Idee ausscheiden ließ. Auch das Potential für Varianten und Personalisierung in der Produktgestaltung (unterschiedliche Bauteilspezifikation durch Einsatz von 3D-Druck; App-gesteuerte nutzerspezifische Softwareanpassungen zur Farbgestaltung des Lichtes)  sowie die Frage, wie gut sich die Idee tatsächlich umsetzen lässt, diskutierte und bewertete die Jury.

Als Siegeridee kristallisierte sich schließlich ein intelligenter Blumentopf heraus – der z.B. Wasserstand und Nährstoffgehalt der Erde messen soll. Eingereicht hatte die Idee Rebecca Baumann aus Friedrichshafen, die sich über einen Gutschein freuen konnte. Weitere Gewinner waren die Ideen für eine intelligente Taschenlampe von Daban Ahmad, für eine Powerbank  von Pascal A. Haug, einen intelligenten Einkaufskorb von Sophie Stenger sowie einen Mini LKW mit integrierter Uhr- und Temperaturanzeige von Faruk Akito.

Von den Produktideen wird nun zuerst die Powerbank-Taschenlampe ausgearbeitet. Dabei erstellen die Studierenden ein Portfolio in dem die Ideen in unterschiedlichen Varianten und Reifegraden ausgeführt werden. Das heißt für die Taschenlampe zum Beispiel: mit oder ohne Ladestandsanzeige, Helligkeitsanpassung oder Verbindung mit einer App zur Farbgestaltung des Lichts – je nach Reifegrad des Produkts kommen mehr Funktionen dazu.

Die Entwicklung des Blumentopfs wird voraussichtlich als Masterthesis ausgeschrieben, da es sich hier um ein doch recht komplexes Produkt handelt: Medien wie Strom und Wasser stoßen hier – zum Beispiel wegen der elektronischen Feuchtigkeits- oder Temperaturkontrolle - aufeinander und dies erfordert intensive Entwicklungsarbeit.

Danach muss für die Produkte jeweils ein Beschaffungskonzept erstellt werden. Also: Müssen zum Beispiel Teile wie Sensoren zugekauft werden? Können Roboter die Klebenähte setzen, damit später kein Wasser aus dem Blumentopf „sabbert“? Bis zum Semesterende steht also noch einige Arbeit an bzw. wird es für den Entwickler des Blumentopfes sicher noch einige Herausforderungen geben. Aber dafür hält man am Ende auch ein eigenes Produkt in den Händen.