16.10.2018

Impulsgeber für die Öffis

IB Absolvent Nils Reich erhält den Otto-Johannsen-Preis für seine Abschlussarbeit

Herzlichen Glückwunsch! Bettine Seng, Campus Reutlingen e.V., gratuliert dem Otto-Johannsen-Preisträger 2018 Nils Reich (Bachelor International Business).
Herzlichen Glückwunsch! Bettine Seng, Campus Reutlingen e.V., gratuliert dem Otto-Johannsen-Preisträger Nils Reich (Bachelor International Business).

Bettine Seng

Nils Reich hat in seiner Bachelor-Thesis (Studiengang International Business) untersucht, wie und warum die Stuttgarter die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Dabei kam Überraschendes heraus! Der Förderverein Campus Reutlingen e.V. hat Nils Reich dafür mit dem Otto-Johannsen-Preis ausgezeichnet. Der Preis wurde letzten Freitag im Rahmen der Absolventenfeier der Hochschule Reutlingen überreicht.

Im Interview gibt Nils Reich Einblicke in das Thema seiner Bachelor-Arbeit: 

Herr Reich, Ihre Thesis trägt den Titel „What affects public transport demand? – An empirical analysis in Stuttgart“.  Was gab den Ausschlag zu diesem Thema?
Die politische Debatte um die starke Feinstaubbelastung in Großstädten sowie die dabei diskutierte Einführung eines kostenlosen Nahverkehrs und mögliche Dieselfahrverbote haben mein Interesse geweckt. Ich wollte gern mehr darüber erfahren, was Leute dazu bewegt, öffentliche Verkehrsmittel stärker zu nutzen und dem Auto vorzuziehen.

Wie haben Sie das untersucht?
Ich habe von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) Daten zur Fahrgastzahlentwicklung und Fahrpreisentwicklung erhalten. Außerdem bekam ich vom ADAC Daten zur Benzinpreisentwicklung und von der Stadt Stuttgart Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung. Mit diesen Informationen wollte ich herausfinden, welche Faktoren die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs maßgeblich beeinflussen.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Untersuchung?
Erstaunlich war für mich, dass der Fahrpreis in dieser Untersuchung so gut wie keine Rolle gespielt hat! Bei meiner Recherche habe ich viele Studien gefunden, die einen Anstieg der Nahverkehrsnutzung eher als Reaktion auf drastische Erhöhungen der Benzinpreise und Parkgebühren sehen als auf die Senkung von ÖPNV-Preisen. Bereits existierende kostenlose öffentliche Nahverkehrsmodelle etwa in Talinn zeigen, dass Menschen die Öffis mehr nutzen, deshalb aber nicht weniger Auto fahren. Das liegt hauptsächlich daran, dass einkommensschwächere Menschen statt Fahrradfahrten und Fußwegen jetzt Bus und Bahn nutzen. Menschen, die zuvor Auto gefahren sind, haben ihr Pendelverhalten kaum bis gar nicht verändert. Die SSB müsste also zusätzlich zum niedrigeren Fahrpreis mit anderen Argumenten den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen.

Wie hat die SSB auf Ihre Untersuchung reagiert? Kann Sie mit Ihrer Hilfe etwas im Angebot weiterentwickeln?
Die Frage welche Einflussfaktoren die ÖPNV-Nachfrage tatsächlich beeinflussen, ist für Verkehrsunternehmen von hoher Bedeutung. Insbesondere die Diskussion, ob über den Tarif eine Steuerung der Nachfrage möglich ist, steht immer wieder im Mittelpunkt der Diskussionen. Die SSB meldete mir daher zurück, dass meine Arbeit wertvolle Anhaltspunkte gebe, um künftige Maßnahmen – insbesondere Preismaßnahmen – besser beurteilen zu können. Außerdem, so die SSB, können die Erkenntnisse helfen, eigene Untersuchungen weiterzuentwickeln und besser zu interpretieren.

Was bedeutet für Sie diese Auszeichnung mit dem Otto-Johannsen-Preis? Und was werden Sie mit dem Preisgeld machen?
Ich freue mich riesig über die Auszeichnung und betrachte sie als große Ehre und das perfekte Ende meiner Zeit in Reutlingen. Mit dem Preisgeld will ich ein neues Notebook für mein weiteres Studium kaufen. Meine gesamte Thesis musste ich auf dem Notebook meiner Freundin schreiben, weil mein altes kaputt ging.

Wie geht es jetzt nach dem Bachelor-Abschluss bei Ihnen weiter?
Ich beginne am 15. Oktober meinen Master an der Technischen Universität München in Management und Technologie.

Über den Otto-Johannsen-Preis:
Seit 1980 zeichnet der Förderverein Campus Reutlingen besonders herausragende Abschlussarbeiten mit dem Otto-Johannsen-Preis aus. Der Preis ist benannt nach dem Direktor des ursprünglichen „Staatlichen Technikums für Textilindustrie“, aus dem die heutige Hochschule Reutlingen hervorging. Nachdem anfangs noch Goldmedaillen verliehen wurden, ist der Verein inzwischen zu Preisgeldern übergegangen: 500 Euro für die beste Bachelor-Thesis und 1.000 Euro für die Master-Thesis. Eine Jury aus Professoren sowie Mitgliedern des Vereinsvorstands wählt die innovativsten Thesen aus. Die wichtigsten Kriterien: wegweisende Ideen oder Untersuchungsmethoden mit einem möglichst hohen Praxisbezug sollen in der Thesis dargestellt werden.