26.09.2019

Lehren und Forschen in der Champions League

ESB-Dekan Prof. Dr. Andreas Taschner über den Weg zur AACSB-Akkreditierung

Von Katrin Reil

Das Videointerview mit Prof. Dr. Andreas Taschner finden Sie am Ende dieses Artikels.

Rund fünf Prozent aller Business Schools weltweit tragen das begehrte Gütesiegel von AACSB International. Damit bestätigt die „Association to Advance Collegiate Schools of Business“ den akkreditierten Einrichtungen die Erfüllung höchster Qualitätsstandards in Ausbildung und Forschung. Seit Juli gehört auch die ESB Business School zu dem Netzwerk mit rund 850 Partnern, darunter renommierte Institutionen wie die Harvard Business School oder die Yale School of Management.

ESB-Dekan Prof. Dr. Andreas Taschner im Gespräch über den fünfjährigen Weg zur AACSB-Akkreditierung und deren Bedeutung für die ESB Business School:
 

1. Herr Taschner, der Akkreditierungsprozess für AACSB ist auf eine Dauer von fünf Jahren angelegt. Was passiert in dieser Zeit?

AACSB stellt die Strategie einer Business School in den Vordergrund. Wer die AACSB-Akkreditierung erreichen will, muss wissen wofür er steht und was ihn auszeichnet und dies in allen Prozessen umsetzen. Zusätzlich hat AACSB eigene Qualitätskriterien, zum Beispiel in den Bereichen Organisation, Lehre, Forschung oder Personal.

Die ESB hat im Jahr 2013 den Antrag auf Zulassung zum Akkreditierungsverfahren gestellt. Bereits dafür musste die Fakultät einige Mindestanforderungen erfüllen. Sobald man zum Verfahren zugelassen ist, geht die Arbeit richtig los.

Wir haben in den vergangenen Jahren neue Prozesse und Anreizsysteme entwickelt, neue Gremien eingerichtet, neue Forschungsschwerpunkte aufgebaut und Ressourcen in die strategischen Kernthemen investiert. Weil dieser Prozess so umfassend ist, dauert er mehrere Jahre. Eine Business School wird dabei immer von einem erfahrenen AACSB-Mentor begleitet. Unser Mentor Elmore Alexander war meist zweimal pro Jahr für mehrere Tage bei uns, hat seine Erfahrungen mit uns geteilt und zurückgespiegelt, an welchen Stellen wir weiteren Entwicklungsbedarf haben. Jedes Jahr mussten wir in einem Bericht an AACSB unsere Fortschritte darstellen. Nach drei Berichten bekamen wir grünes Licht für den eigentlichen Akkreditierungsbesuch im Mai dieses Jahrs. Dann konnten wir die Gutachter vor Ort davon überzeugen, dass wir die hohen AACSB Standards erfüllen.

2. In welchen Aspekten der Akkreditierung konnte die ESB ihre Stärken besonders ausspielen?

Die ESB ist extrem international und sehr praxisnah ausgerichtet. Dieser Markenkern der ESB ist auch genauso in unserer Mission festgeschrieben und zieht sich durch alles, was wir tun. Wir hatten überhaupt kein Problem, AACSB davon zu überzeugen, dass wir es mit Internationalität und Praxisnähe ernst meinen.

Bei den meisten allgemeinen Qualitätsstandards konnten wir auch auf einer sehr guten Basis aufbauen. Qualität bei uns schon immer großgeschrieben. Nicht zuletzt durch die Systemakkreditierung und die seitdem kontinuierlich laufenden internen Audits haben wir ein waches Auge auf alle qualitätsrelevanten Prozesse und Abläufe.

3. Und was hat sich durch AACSB doch noch einmal geändert?

Schwieriger für uns war sicherlich die Weiterentwicklung unserer Forschungs- und Publikationsaktivitäten. Hier sind wir als Hochschule für angewandte Wissenschaften in einer weniger komfortablen Position als z.B. die großen forschungsorientierten Universitäten in Deutschland und natürlich auch private Business Schools. Der Aufbau unserer interdisziplinären Forschungsfelder, die Steigerung unseres Publikationsoutputs und damit die Vergrößerung unseres „impact“ in Forschung und Praxis war ein gemeinsamer Kraftakt der gesamten Fakultät.

Eine zweite wesentliche Neuerung ist die Umsetzung eines umfassenden Systems der Lernerfolgskontrolle in allen Studienprogrammen. AACSB nennt dies „Assurance of Learning“, oder einfach kurz „AoL“. AoL geht weit über eine Lehrveranstaltungsevaluation hinaus, wie sie viele Hochschulen als Standard ohnedies kennen. Hier geht es vor allem darum, die strategischen Kernelemente der ESB in den Curricula nachhaltig zu verankern, durch regelmäßige Messungen zu überprüfen, ob wir unseren Studierenden die richtigen Kompetenzen vermitteln und ein System zur kontinuierlichen Verbesserung zu etablieren.

4. Stichwort Forschung: Wie konnte sich die ESB hier im Rahmen der Akkreditierung gut positionieren?

Praxisnahe Forschung ist für uns ja nicht fremd. Professorinnen und Professoren der ESB sind seit Jahren in innovativen Forschungsgebieten wie Digitalisierung, Industrie 4.0, etc. aktiv. Wichtig war nunmehr, ein Anreiz- und Unterstützungssystem für Forschungsaktivitäten aufzubauen, Forscher miteinander zu vernetzen, und mit knappen Zeitressourcen zu haushalten. Auch in der Forschung geht es vor allem darum, das eigene strategische Profil umzusetzen und die Verbindung zwischen guter Forschung und guter Lehre zu ermöglichen.

5. Zu AACSB gehören starke Partner wie Harvard und Yale, voneinander zu lernen ist eine der Zielsetzungen des Netzwerks. Was kann die ESB denn lernen? Und was kann sie einbringen?

Innerhalb der AACSB-Community hat man vielfältige Möglichkeiten, voneinander zu lernen. AACSB bietet nicht nur viele Veranstaltungen und Konferenzen, sondern auch eine umfangreiche digitale Plattform, auf die wir Zugriff haben. Anregungen und best practices bekommen wir in Zukunft von den besten Institutionen weltweit. Wir können von Erfahrungen und Beispielen anderer Business Schools lernen, die schon viel länger bei AACSB dabei sind.  Auch im Hinblick auf Kooperationen und Partnerschaften bietet uns AACSB natürlich künftig neue Möglichkeiten. Trotzdem bleibt die ESB in ihrem Kern natürlich die ESB.

Unsere eigenen Stärken und Erfahrungen teilen wir umgekehrt gerne mit anderen.  

6. Und jetzt? Akkreditierung geschafft, alles gut?

Die erfolgreiche AACSB Akkreditierung ist für uns Chance und Herausforderung zugleich. Selbstverständlich wollen wir das jetzt erreichte und mit der erfolgreichen Erstakkreditierung dokumentierte Level halten und weiter ausbauen. Den AACSB-Prozess kann man mit der Champions League im Fußball verglichen: In der obersten Spielklasse kannst Du Dich nicht einfach ausruhen. Unsere Studierenden, Partnerhochschulen und die Unternehmen zu denen unsere Absolventen gehen erwarten und bekommen von der ESB auch in Zukunft Leistung auf Spitzenniveau. Nach der erfolgreichen AACSB-Akkreditierung erst recht.