31.03.2020

„Flexibel und agil im Sinne unserer Studierenden“

Wie die ESB Business School Covid-19 meistert

Prof. Dr. Martin Mockers Hörsaal in Zeiten von Corona.

Virtuelles Treffen des IPBS-Netzwerks

Von Katrin Reil

Wenn Prof. Dr. Martin Mocker sich in diesen Tagen zu Hause an den Rechner setzt, hat er dabei zahlreiche Zuschauer. Der Professor für Wirtschaftsinformatik an der ESB Business School hält seine Lehrveranstaltungen seit Kurzem virtuell – ebenso wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen. Auch sonst haben die Präventionsmaßnahmen gegen Covid-19 zahlreiche Auswirkungen auf die international ausgerichtete Fakultät.

Mitte März beschloss das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, den landesweiten Semesterstart an Hochschulen und Universitäten vom 16. März auf den 20. April zu verschieben. Online-Angebote für die bereits laufenden Studiengänge sind jedoch weiterhin möglich. Für diese Studiengänge, die sich an den internationalen Semesterzeiten orientieren und daher längst mit dem Vorlesungsbetrieb begonnen hatten, war dies eine besondere Herausforderung. An der ESB Business School betrifft dies die beiden Bachelor-Programme International Business und International Management Double Degree, den Master-Studiengang International Management sowie den MBA International Management Part-Time und den MBA International Management Full-Time mit insgesamt über 800 Studierenden.

„Unsere Studierenden waren bereits seit Februar auf dem Campus und das Semester in vollem Gang. Deswegen mussten wir auf die aktuellen Entwicklungen besonders schnell reagieren“, erklärt Prof. Dr. Julia Brüggemann, die als Studiendekanin an der ESB Business School verantwortlich für den Bereich Lehre ist. Die bereits laufenden Studiengänge wurden daher nicht unterbrochen, sondern kurzerhand mit viel Engagement der Dozenten und der Mitarbeiter virtualisiert und in andere Lehrformate transformiert. Innerhalb weniger Tage entstanden aus Präsenzvorlesungen und -seminaren Online-Veranstaltungen. Das Professorenteam und die Lehrbeauftragten der ESB bieten Livestreams und Aufzeichnungen an, diskutieren mit ihren Studierenden in Chatrooms, vergeben Übungsaufgaben und veröffentlichen Skripte zum Selbststudium. „Wir stellen sicher, dass die Vorlesungsinhalte nach wie vor in hoher Qualität und mit individueller Betreuung vermittelt werden, so wie es unseren Standards entspricht“, sagt Prof. Dr. Julia Brüggemann. Die Vorlesungsinhalte stehen nicht nur in Echtzeit zur Verfügung, sondern sind auch nachträglich abrufbar. Dies ist besonders wichtig für die 30% internationalen Studierenden in diesen Programmen, die vorläufig in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind und sich häufig in anderen Zeitzonen aufhalten.

Auch die Studierenden, die sich gerade im Auslandsemester weltweit befinden, sind zum Großteil zurück in Deutschland. Die meisten führen ihr Semester an den internationalen Partnerhochschulen der ESB Business School nun ebenfalls virtuell fort.

Eine weitere Herausforderung sind auch die Pflicht-Praxissemester im BSc International Management Double Degree. Während einige Studentinnen und Studenten dieses nach wie vor bei den Unternehmen im In- und Ausland absolvieren können – zum Teil vom Home-Office aus – mussten andere das Praktikum abbrechen. Die ESB Business School entwickelte hierfür eine schnelle und unbürokratische Lösung: „Wer sein Praktikum nicht beenden konnte und nun eine Ersatzleistung, z.B. im Zusammenhang mit Covid-19 erbringen möchte, kann sich diese Zeiten anrechnen lassen. Das kann zum Beispiel die Mitarbeit bei Projekten des Robert-Koch-Instituts, der IHK oder öffentlicher Einrichtungen sein, die derzeit Unterstützung brauchen“, sagt Prof. Dr. Jörg Naeve, Leiter des Prüfungsamts des BSc International Management Double Degree.

Die enge Abstimmung und zeitnahe Kommunikation wichtiger Informationen spielt derzeit eine entscheidende Rolle bei der möglichst reibungslosen Fortsetzung des Semesters. Allgemeingültige Vorgaben, FAQs und Verhaltensempfehlungen zu Covid-19 veröffentlichen die Hochschule Reutlingen und die ESB Business School auf ihren Webseiten, in speziell eingerichteten Relax-Kursen und in ihren Social-Media-Kanälen. Darüber hinaus haben die einzelnen Studiengänge zusätzliche Mechanismen geschaffen, um programmspezifische Fragen zu klären, beispielsweise virtuelle Q&A-Sessions. „Am Anfang hatten die Studierenden natürlich viele Fragen hinsichtlich der Umstellung auf Online-Lehre und zahlreicher anderer Aspekte. Speziell in der ersten Woche gab es viel Beratungsbedarf. Inzwischen hat sich der neue Alltag ganz gut eingespielt“, erzählen Cornelia Küster und Iris Walker, die als Studienkoordinatorinnen im BSc International Business eine wichtige kommunikative Schnittstelle bilden. Wie das gesamte Team der ESB Business School arbeiten auch sie derzeit nach Möglichkeit von zu Hause aus.

Auch mit den internationalen Double-Degree Partnern steht die ESB Business School in einem engen Austausch. So fand vergangene Woche das IPBS Meeting der 13 Partnerhochschulen in virtueller Form statt. Dekan Prof. Dr. Christoph Binder besprach mit seinen Kolleginnen und Kollegen die aktuellen Herausforderungen. „Es ist sehr wertvoll, Ideen und Lösungsansätze etwa zu Erfahrungen bei Online-Tools und -formaten oder Online-Prüfungen diskutieren zu können und von den gegenseitigen Erfahrungen zu lernen. Hier zeigt sich, dass das seit über 40 Jahren etablierte Netzwerk gerade auch in herausfordernden Zeiten stabil und verlässlich funktioniert, alle an einem Strang ziehen und im Sinne der Studierenden pragmatische und gangbare Lösungen möglich sind, um das bestehende Semester absolvieren zu können.“ Weitere Themen, die diesen Kreis in den kommenden Wochen beschäftigen werden, sind die jeweiligen Bewerbungsverfahren sowie der im Sommer/Herbst anstehende Wechsel von Studierenden an die Partnerhochschule. Hierzu wurden Folgetermine vereinbart, um die neuesten Entwicklungen zeitnah in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen.

Die Master- und Wirtschaftsingenieur-Studiengänge der ESB Business School bereiten sich nach aktuellem Stand auf einen Vorlesungsstart am 20. April vor und organisieren die Verschiebung von Prüfungszeiträumen und andere wichtige Aspekte. Prof. Dr. Julia Brüggemann zieht Bilanz: „Wir tun alle in unserer Macht stehende, damit die Studierenden, wenn auch mit Verspätung, am Ende doch ein möglichst normales Sommersemester 2020 absolvieren können. Deshalb arbeiten wir derzeit bereits an einem Plan B, wenn der Semesterstart mit Präsenzvorlesungen nicht eingehalten werden kann, um flexibel und agil im Sinne unserer Studierenden zu handeln.“