27.04.2020

Im Herzen New Yorker

Ein Rückblick auf National Model United Nations 2020

Von Maximilian Münch (BSc International Business) und Greta Pfiz (BSc International Business)

Es kam anders als geplant und war doch eine unvergessliche Erfahrung: Seit 2009 war alljährlich eine Delegation der Hochschule Reutlingen unter Koordination der ESB Business School bei National Model United Nations (NMUN) in New York, der weltweit größten Modellkonferenz der Vereinten Nationen, vertreten. Bereits elf studentische Delegationen wurden dorthin entsandt, um in der Rolle von Diplomaten zu agieren und ein Land mit all seinen Interessen auf der Konferenz zu repräsentieren.

Angesichts der Corona-Pandemie wurde die diesjährige Modellkonferenz vom NMUN-Direktorium abgesagt. Seit 1927 handelte es sich erst um das zweite Mal, dass die Simulationskonferenz der Vereinten Nationen nicht stattfinden konnte. Trotz ersten Bedauerns über die Entscheidung freut sich die aktuelle Reutlinger Delegation über die Möglichkeit, eventuell im kommenden Jahr erneut an dem Projekt teilnehmen zu können und zieht bereits jetzt ein positives Fazit aus der Erfahrung.

Auf der diesjährigen NMUN-Konferenz, die von 05. bis 09. April angesetzt war, hätten die 22 Studierenden das ostafrikanische Land Ruanda repräsentiert. Die Vorbereitungen dafür begannen für die beiden Head Delegates Julian Gold (BSc Production Management) und Elke Neumann (BSc International Management Double Degree) bereits im Sommer 2019. Im Oktober traf sich die Delegation zum Integration Weekend in einer Cannstatter Jugendherberge, gefolgt von wöchentlichen Treffen an der Hochschule. Dabei beschäftigte sich das Team mit der vielseitigen Geschichte Ruandas sowie der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation im Land. Ruanda gilt heute als das Singapur Afrikas mit prosperierender Wirtschaft – trotz seiner von Kolonialherrschaft durch Belgien und Deutschland, Völkermord und Bürgerkrieg geprägten Geschichte.

Eingeteilt in elf verschiedene Komitees setzen sich jeweils zwei Delegierte mit diversen Themen, beispielsweise den Rechten indigener Bevölkerungsgruppen, Friedenserhalt durch Partnerschaften, der Gewährleistung eines nachhaltigen Ressourcenverbrauchs oder mit nachhaltiger Produktion und Entwicklungsfinanzierung auseinander.

Darüber hinaus beschäftigte sich die NMUN-Delegation natürlich auch mit den Vereinten Nationen selbst. Themen hierbei waren unter anderem das Verfassen von soliden Positionspapieren, der strukturelle Aufbau der Vereinten Nationen sowie ihr Potenzial und ihre Grenzen. Das Ziel von NMUN ist dabei stets klar: „Wir stehen für die Grundwerte respektvollen menschlichen Miteinanders ein. Diese Werte in unseren Komitees, Positionspapieren und Reden zu vertreten, ist erklärtes Ziel unserer Delegation.“

Bei einer Seminarwoche in Berlin wurde schließlich die Sitzung eines Komitees vom Prozess der Themensetzung bis hin zum letztendlichen Abstimmungsverfahren über die erarbeiteten Entwürfe simuliert. Außerdem standen Briefings im Auswärtigen Amt und beim ruandischen Botschafter auf dem Programm. Dieser überraschte mit seiner Gastfreundlichkeit und hieß die Delegation gute zwei Stunden in der Botschaft willkommen, wo sie Einblicke in die politischen Standpunkte Ruandas sowie einige Anekdoten zur Kultur und Lebensart in Ruanda bekam. 

Obwohl der Delegation aufgrund der Corona-Pandemie die Teilnahme an der Konferenz und damit der Höhepunkt von NMUN verwehrt blieb, können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dennoch auf eine ereignisreiche Vorbereitungsphase zurückblicken, die nicht nur lehrreich war, sondern in der auch zahlreiche neue Freundschaften entstanden. Die Studierenden der Hochschule Reutlingen haben sich nicht nur mit Themen und Herausforderungen der Weltpolitik beschäftigt und dabei ihre Fähigkeiten in Rhetorik und Diplomatie weiterentwickelt, sondern sie konnten ihren Horizont auch durch inspirierende Diskussionen erweitern und dabei auf persönlicher Ebene wachsen. Als eine internationale Delegation mit Studierenden aus sieben Ländern wuchsen sie als Gruppe zusammen und konnten, wenn auch nur in kleinem Kreis, von verschiedenen Kulturen lernen.

“Meiner Erfahrung nach war NMUN eine positive Bereicherung für mein Leben, sowohl auf persönlicher als auch auf sozialer Ebene. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich durch die Teilnahme an diesem Programm sehr weiterbilden konnte und habe dabei großen Gefallen an dieser Art von Projekt gefunden,“ erzählt Neele Trockels, BSc International Fashion Retail, United Nations Environment Assembly (UNEA). Daniel Uphoff, BSc International Business, United Nations Environment Assembly (UNEA) ergänzt: “NMUN war eine großartige Erfahrung! Wir hatten eine gute Zeit und haben viel darüber gelernt, wie die UNO und die internationale Diplomatie funktionieren. Danke an alle, die dies möglich gemacht haben!”

Wer die NMUN Delegation zukünftig begleiten und auf dem aktuellen Stand bleiben will, kann dies auf den Social-Media-Kanälen von NMUN bei Facebook und Instagram tun.