20.07.2020

Vom Studi zum Startup-Gründer

Manuel Männle und Moritz Liebergesell reagieren mit „Vinogether“ auf #stayathome

Von Katrin Reil

Abstand halten, Maske tragen, große Menschenansammlungen meiden – die Corona-Pandemie bestimmt nach wie vor nicht nur den Studien-, sondern auch den Lebensalltag. Manuel Männle und Moritz Liebergesell, Studierender und Alumnus aus dem BSc International Management Double Degree, hatten eine Idee, wie sie trotz öffentlicher Restriktionen für „Savoir vivre“ sorgen können. Mit ihrem Startup Vinogether organisieren sie seit Anfang Mai 2020 virtuelle Weinproben.

Die Idee entstand, als Männles Pflichtpraktikum in Berlin von Büro ins Home Office verlagert wurde. Eigentlich hatte der Sohn eines Kellermeisters geplant, mit seinen Kollegen eine physische Weinprobe durchzuführen. Durch das Kontaktverbot war dies auf einmal nicht mehr möglich. Stattdessen sendete Männle kurzerhand Probierpakete an seine Teamkollegen in ganz Deutschland und veranstaltete die Weinprobe per Videokonferenz. Durch Social-Media-Beiträge der begeisterten Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurde ESB-Alumnus Liebergesell auf die Idee aufmerksam und sah Potenzial für ein innovatives Geschäftsmodell.

Das Konzept für die Online-Weinprobe in Kooperation mit einer Winzergenossenschaft aus Durbach in Südbaden stand anschließend schnell: Nach der Buchung erhält jeder der mindestens sechs Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein Probierpaket mit sechs verschiedenen Weinsorten in Flaschen à 0,25l zu sich nach Hause geschickt. Am Tag der Weinprobe wählen sich alle zur Online-Verkostung ein und werden virtuell von einem professionellen Weinprobensprecher empfangen, der ca. 1,5 Stunden lang durch das Programm führt und Fragen rund um den Weinbau sowie die getesteten Sorten beantwortet. Auch nach dem offiziellen Programm kann die Weinprobe im Freundes-, Kollegen- oder Bekanntenkreis noch fortgesetzt werden. Mittlerweile hat Vinogether bereits rund 115 Online-Weinproben mit bis zu 80 Teilnehmern in ganz Europa durchgeführt – unter anderem im Kreis von ESB-Alumni.

„Auch wenn die Social-Distancing-Regelungen jetzt nicht mehr ganz so streng sind, wie zu Beginn der Corona-Pandemie, sehen wir viele „Business Cases“ für virtuelle Weinproben, um es betriebswirtschaftlich auszudrücken. Jeder von uns hat schließlich inzwischen Freunde, die nicht am selben Ort wohnen und die man viel zu selten sieht, mit denen man aber trotzdem Erlebnisse teilen will,“ sagt Moritz Liebergesell. In der Zwischenzeit gehen bei dem jungen Unternehmen neben Anfragen für Online-Sommerfeste auch schon die ersten Buchungen für virtuelle Weihnachtsfeiern ein.

„Was anfangs nur als kleines Projekt gestartet ist, zählt heute zu unseren wertvollsten Erfahrungen überhaupt,“ beteuert Manuel Männle. Gründung und Aufbau eines Unternehmens neben Beruf und Praktikum waren durchaus eine Herausforderung, erzählt er: „Wir wollten von Beginn an alles richtig machen, daher haben wir lange an den Prozessen gefeilt. Das kostete uns einige Telefonate bis spät in die Nacht hinein.“ Moritz Liebergesell ergänzt: „Eine besondere Herausforderung war auch das Time-to-Market, denn wir wussten zu keinem Zeitpunkt, wie lange wir noch die Situation haben, dass Familien und Unternehmen räumlich getrennt voneinander sein werden und dementsprechend ein großes Interesse an unserem Angebot haben. Ziemlich herausfordernd war also auch die schnelle Gewerbeanmeldung, der zügige Aufbau einer Website sowie die Eintragung beim Finanzamt. Gut, dass es zu einigen Themen auch hilfreiche YouTube-Videos gibt“.

Beide unterstreichen, dass sie die Erfahrung nicht missen wollen. „Natürlich konnten wir einiges aus dem Studium anwenden. Aber egal ob Marketing, Buchhaltung oder Datenschutz – in der Selbstständigkeit muss man all dies auf einmal selbst beherrschen. Hilfreich war für mich, dass ich das Wahlmodul Businessplanerstellung an der ESB abgelegt und somit eine erste Vorgehensweise zur Gründung vor Augen hatte. Trotz allem: Unser learning by doing mit Vinogether war ist für mich unersetzbar,“ fasst Manuel Männle zusammen.