30.01.2020

Acht spannende Semesterprojekte

Studierende des Master Operations Management präsentieren Ergebnisse

Von: Jonas Strobel (MSc MOM)

Wer an der ESB Business School den Master of Science Operations Management absolviert, erlebt bereits im Studium reale Projekte aus Produktion, Logistik oder Forschung. An der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Technik und Wissenschaft bearbeiten Studierende in zwei der drei Semester in Zusammenarbeit mit Industrie und Forschung praxis- und realitätsnahe Problemstellungen. Die dafür erforderliche Fach- und Methodenkompetenz eigenen sich die Studierenden begleitend in Vorlesungen zu Technik, Betriebswirtschaftslehre, Logistik und Produktion an.

Zum Abschluss der Projektphase im Wintersemester 2019/20 präsentierten die einzelnen Projektteams in großem Rahmen am Donnerstag, 23.01.2020, die Projektergebnisse. Neben zahlreichen Vertretern der Unternehmen und Forschungsinstituten verfolgten auch die betreuenden Professoren interessiert die Präsentationen und besuchten die Informationsstände der Projektgruppen.

Folgende acht interessanten Projekte entstanden dieses Semester:

Im Projekt „Visualisierungskonzept für eine optimale Produktionsprogrammplanung“ der flexis AG sollten Studierende das Produkt, den Job Shop Scheduler, durch moderne und innovative Oberflächen benutzerfreundlicher gestalten. Sie analysierten detailliert die Software und ihre Konkurrenzprodukte. Auf dieser Basis arbeitete die Projektgruppe die Anforderungen an eine Planungssoftware in Form von Use Cases aus. Die Design Thinking-Methode kam zum Einsatz, als das Team in die kreative Ideenfindung für die Ausarbeitung des Visualisierungskonzeptes ging. Die Produktionsplaner flexis AG können dank der Projektergebnisse Problemstellen schneller erkennen und diese durch Szenarienmodi simulieren. Darüber hinaus hat der Produktionsplanungsleiter mit seinem personalisierten Dashboard schnell Zugriff auf die wichtigsten Informationen.

Ebenfalls ein spannendes Projekt wurde bei der HECKER WERKE GmbH durchgeführt. Unter dem Titel „Analyse und Optimierung der Fertigwarenlogistikprozesse“ analysierte und optimierte das Projektteam die Prozesse von der Endkontrolle bis zum Fertigwarenlager. Durch bisher separierte Geschäftsprozesse hatten sich unterschiedliche Strukturen im Fertigwarenlogistikprozess entwickelt, welche in einer Ist-Analyse aufgenommen wurden. In Zuge der Soll-Konzeption führten die Studierenden erfolgreich ein abteilungsübergreifendes Standardetikett der Produkte, unter Berücksichtigung der IT-Infrastruktur und den Kundenanforderungen, ein.

Auch beim Projekt „Entwicklung eines Logistikkonzepts für die interne Materialversorgung“ bei der H. Stoll AG & Co. KG ging es um die Optimierung und Neugestaltung von Prozessen. Dazu analysierte die Projektgruppe die Ist-Situation und bestehenden Prozesse. Die Studierenden identifizierten darauf aufbauend Handlungsfelder und stellten ein Idealkonzept auf. Daraus wurde schließlich ein Realkonzept abgeleitet, welches die Randbedingungen und Gegebenheiten berücksichtigt. In der finalen Umsetzungsphase konnten dann konkrete Maßnahmen, wie z.B. ein neues Supermarktkonzept, ein Visualisierungskonzept oder eine neue Routenzugplanung implementiert werden, um die interne Materialversorgung zu optimieren.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Raffinerie“ unter dem Titel „Gold from Garbage“ entwickelten die Studierenden ein Kalkulationsmodell für chemische Produktionsanlagen, um die Kosten für die Plattformchemikalien Essigsäure, Furfural und 5-HMF zu ermitteln. Im Zentrum dieses Projektes standen neben der Kostenkalkulation auch die Modellierung der Stoff- und Energieströme, welche mithilfe einer LCA-Software namens Umberto ausgewertet wurden. Dieses Kalkulationsmodell der Raffinerie-Projektgruppe soll ebenfalls in dem renommierten Paper „Chemie Ingenieur Technik“ veröffentlicht werden und als Forschungsgrundlage für die nachfolgenden MOM-Projekte in diesem Themengebiet dienen.

In Kooperation mit der Max Holder GmbH entwickelte die Projektgruppe „E(ine) S(chlauch) B(ereitstellung) optimiert“ ein Bereitstellungskonzept für Hydraulikkomponenten. Eine Prozesskostenrechnung ermöglichte zunächst eine Make-or-Buy Entscheidung, anhand derer das Team anschließend verschiedene Bereitstellungskonzepte für den Buy-Prozess durchspielte. Die Konzepte analysierten und verglichen die Studierenden gemeinsam mit mehreren potenziellen Lieferanten. Als erfolgreiches Ergebnis des Projektes liegen ein festgelegtes Bereitstellungkonzept sowie ein detaillierter Umsetzungsplan vor.

Ein hochschuleigenes Mobilitätskonzept, ein „grüner Campus“, flexible Mobilität für Studierende in Reutlingen? Und bei all dem den Aspekt der Nachhaltigkeit adressieren? Laut der im Rahmen des Forschungsprojekts „Electric Scooter Business (ESB): Entwicklung eines E-Mobilitätskonzepts am Campus der Hochschule Reutlingen“ durchgeführten Campusbefragung an der Hochschule Reutlingen mit über 700 Teilnehmern definitiv ein Thema am Puls der Zeit. Daher entwickelte das Team ein Campuskonzept, welches langfristig eine Eigenproduktion von E-Scootern in der Logistik-Lernfabrik der Hochschule Reutlingen anstrebt. Ergänzt wird es durch ein innovatives Geschäftsmodell, welches die Studierenden zu einem aktiven Teil des Mobilitätsnetzwerkes macht. In Zukunft können autonom fahrende Roller und eine autarke und nachhaltige Energieversorgung an der Hochschule oder Partnerschaften mit Stadt und Unternehmen realisiert werden.

Ein weiteres hochschuleigenes Projekt fand in Kooperation mit der neuen Logistik-Lernfabrik Werk150 statt. Das mit innovativen Technologien ausgestattete Werk150 stellt ein realitätsnahes Produktionsunternehmen dar und verfügt über Industrie 4.0-basierte Hard- und Softwareanwendungen. Im Projekt „Entwicklung eines physischen und digitalen Produktions- und Supply-Chain-Szenarios im Werk150“ galt es, ein Produktionsszenario sowie die zugehörige Wertschöpfungskette für die Fertigung verschiedener Tretroller zu entwickeln. Das Projekt umfasste zwei Teilbereiche: die reale Umsetzung des physischen Produktionssystems und die Erstellung eines digitalen Abbilds der Wertschöpfungskette.

Im Rahmen des Forschungsprojektes "Digital Twin", welches in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut IAO stattfand, wurden die Chancen und Herausforderungen des Digitalen Zwillings analysiert. Hierbei lag der Schwerpunkt insbesondere darin, die Einsatzmöglichkeiten im produzierenden Gewerbe entlang des Produklebenszyklus zu erarbeiten. Als weiteren Focus der Arbeit sollten die Studierenden bereits existierende Technologien weiterdenken, um so neue Perspektiven und Einsatzmöglichkeiten für die Zukunft zu eröffnen. Diese Ideen evaluierte das Team im Rahmen einer Befragung mit Experten aus Praxis und Forschung. So entstand ein praxisorientierter Leitfaden zum Nutzen und den Herausforderungen des Digitalen Zwillings im Produktlebenszyklus, der bereits einen Blick auf zukünftige Chancen der Technologie gewährt.

Die beteiligten Kooperationspartner aus Forschung und Industrie sind sich einig: Durch Teamwork und den regen Austausch in den Projekten entstanden wertvolle Ergebnisse und interessante Erfahrungen im Industrie- und Forschungsumfeld. Die Studierenden im Master Operations Management festigen in den Semesterprojekten fachliche, soziale und methodische Kompetenzen und bereiten sich effektiv auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vor.