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10.05.2022

Slobalisation statt Globalisation

Professor Dr. Gabriel Felbermayr im Gastvortrag über „Lieferketten und die neue Machtpolitik in der Weltwirtschaft“

v.l.n.r.: Prof. Dr. Christoph Binder, Prof. Dr. Gabriel Felbermayr, Prof. Dr. Philipp von Carlowitz

Von Katrin Reil

Der Krieg in der Ukraine und die dadurch fundamental veränderte weltpolitische Lage stellt auch die Diskussion über globale wirtschaftliche Zusammenhänge vor neue Herausforderungen. Mit Professor Dr. Gabriel Felbermayr war einer der renommiertesten europäischen Ökonomen an der ESB Business School zu Gast, um im Rahmen eines Vortrags die aktuelle Situation zu beleuchten.

Globalisierung und weltweiter Güterhandel waren bis Ende Februar der Normalzustand wirtschaftlicher Prozesse. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine führe dagegen nun zu einer plötzlichen „Slobalisation“, so Professor Felbermayr, der mit seinem Gastvortrag einer Einladung von Professor Dr. Philipp von Carlowitz gefolgt war. Bedingt durch die internationalen Sanktionen komme es akut zu einer Entschleunigung des globalen Handels. Dass dies ein schon länger anhaltender Trend ist, zeigen auch andere politische Ereignisse wie der Brexit, führte der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (WiFo) in Wien weiter aus.

Gründe für die Abkehr von Globalisierung und den Aufstieg eines „neuen Protektionismus“  sah der Experte viele: Globalisierung werde zunehmend als Projekt der Eliten betrachtet, das Ungleichheit schaffe. Zudem werde Handelspolitik immer mehr als Instrument zur Durchsetzung nicht-wirtschaftlicher Ziele, zum Beispiel in den Bereichen Klimaschutz und Menschenrechte, verstanden. Auch die Rolle Chinas als Gewinner der Hyperglobalisierung werde zunehmend kritisch betrachtet.

Sind Handelskriege ein Erfolg versprechendes Instrument? Auch zu dieser Frage gab Professor Felbermayr anhand von Simulationsergebnissen eines möglichen deutsch-amerikanischen Handelskriegs prägnante Einschätzungen ab. Wirtschaftliche Sanktionsmaßnahmen, so das Resultat der Simulation, sind unter anderem dann erfolgreich, wenn der Absender größer ist als das Zielland. Außerdem sollte das Sanktionspaket möglichst umfassend und mit wenigen Substituten in ein breites Maßnahmenbündel eingebettet sein. Allerdings ist das Ergebnis ein Wohlfahrtsverlust auf beiden Seiten, bei dem es darum geht, dass das andere Land mehr verliert als das eigene.

Mit viel neu erworbenem Wissen im Hinterkopf starteten die Studierenden in die abschließende Diskussion mit dem Experten. So wurde beispielsweise die Frage gestellt, welche zusätzlichen Sanktionen aktuell überhaupt gegen Russland eingeführt werden könnten. Professor Felbermayr ging offen auf alle Fragen ein und schuf eine angeregte Diskussionsatmosphäre.

Mit neuem Wissen und einer fachkundigen Einordnung der aktuellen globalen wirtschafts- und handelspolitischen Lage verließen die Zuhörerinnen und Zuhörer den Gastvortrag. Trotz der neu gewonnen Einsichten über Slobalisation und Handelskriege wünschten sich alle am Ende des Abends im Wesentlichen eines: Frieden.

Über Professor Dr. Gabriel Felbermayr:

Prof. Dr. Gabriel Felbermayr ist Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (WiFo) in Wien und ehemaliger Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Er zählt zu den renommiertesten und bekanntesten Ökonomen im europäischen Raum. Im Ökonomen Ranking 2020 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stand er auf Platz 6. Professor Felbermayrs Spezialgebiet sind weltwirtschaftliche Verflechtungen.