04.07.2019

Erster Auslandseinsatz für den Master Operations Management

Sechs Studierende reisen für ihr Praxisprojekt nach Malaysia

Teresa Maria Barth

Wer an der ESB Business School den Master Operations Management (MOM) studiert, erlebt bereits im Studium reale Projekte aus Produktion oder Logistik. In zwei von insgesamt drei Semestern bearbeiten Studierenden in Kooperation mit Industrie und Forschung praxisnahe Aufgabenstellungen. Dieses Semester feierte der Studiengang MOM eine Premiere. In Kooperation mit dem baden-württembergischen Sensoren-Hersteller SICK AG aus Waldkirch fand erstmals eines der Praxisprojekte im Ausland statt. Die Idee zu der Kooperation entstand im Rahmen der International Association of Business Engineering Professionals (IABEP). Der Verein, den die ESB Business School 2017 gemeinsam mit internationalen Partnern gründete, macht sich für eine zukunftsorientierte Berufsbildung im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen stark – schwerpunktmäßig in Südostasien, aber auch weltweit.

Im Februar 2019 wurde das MOM-Projekt mit SICK dann in die Tat umgesetzt: Sechs Studierende machten sich für fünf Wochen auf den Weg nach Malaysia. Teresa Barth, eine der am Projekt beteiligten Studentinnen, erzählt im Interview von den Erfahrungen der Gruppe.

Für Sie und den Rest des Projektteams ging es direkt nach der Prüfungsphase des Wintersemesters, nach Malaysia. Wie war der Start in der Ferne?

Die Reise aus dem kalten Deutschland in das warme und grüne Johor Bahru in Malaysia an der Grenze zu Singapur direkt am Äquator war sehr aufregend. Nachdem wir den Jetlag überwunden und uns an die hohe Luftfeuchtigkeit mit oft 90% bei 32 Grad im Schatten gewöhnt hatten, waren wir bereit, unsere neuen Aufgaben kennen zu lernen. Da wir während der Vorlesungszeit nicht nach Südostasien hätten fliegen können, „opferten“ wir freiwillig unsere Semesterferien und wurden im Februar in der Niederlassung der Firma SICK von Produktionsdirektor William Ng und seinem Team sehr freundlich begrüßt und aufgenommen, bevor die gemeinsame Definition unseres Projektziels erfolgte.

 Worum ging es in Ihrem Praxisprojekt?

Unsere Aufgabenstellung war es, in der malaysischen SICK-Produktion Optimierungslösungen in der Sensoren-Montage zu finden und einzuführen.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Zuerst analysierten wir die IST-Situation genau. Wir haben Experteninterviews geführt, bestehende Daten gesichtet und die Abläufe in der Produktion aufgenommen. Unsere Erkenntnisse haben wir mit unseren internen Ansprechpartnern diskutiert. Daraufhin haben wir zur Reduzierung von Ausfallzeiten der Montagelinie ein Lösungskonzept erarbeitet, Versuchsreihen durchgeführt, einen Prototyp entwickelt und die Resultate an die malaysische Entwicklungsabteilung zur weiteren Überprüfung und Implementierung übergeben, beziehungsweise teilweise auch eigeninitiativ im Produktionsumfeld implementiert.

Wie anspruchsvoll war die Projektarbeit vor Ort?

Mit dem Fokus auf die Optimierung der Produktion betraten wir als MOM-Studierende zwar kein Neuland, aber die Situation vor Ort, das fremde Land und die interkulturelle Zusammenarbeit stellten uns vor spannende Herausforderungen. Zum Glück gab uns ESB Studiengangskoordinatorin Petra Greiner vor unserer Reise eine Einführung zu Malaysia - als Wirtschaftsmalaiologin kennt sie sich mit den kulturellen Besonderheiten gut aus. Außerdem hatten wir im ersten Semester schon Seminare zum Thema Team Building und Projektmanagement. Doch trotz guter Vorbereitung muss man vor Ort erst einmal lernen, sich auf die neuen Umstände einzustellen. Wir haben zum Beispiel gemerkt: Projektmanagement in Deutschland und Asien laufen unterschiedlich ab. Auch der Kommunikationsstil unterscheidet sich. Aber nicht nur über interkulturelle Zusammenarbeit, auch fachlich haben wir viel dazugelernt, insbesondere über die Entwicklung und den Rollout von Datenverarbeitungstools, das Handling von Konstruktionsproblemen und die Durchführung von Versuchsreihen. Glücklicherweise erhielten wir von allen Seiten viel Hilfsbereitschaft und positiven Zuspruch. So beantworteten uns unsere Ansprechpartner aus den verschiedenen Abteilungen ausdauernd zahlreiche Fragen und die Mitarbeiter aus der Produktion zeigten uns geduldig die Prozesse vor Ort. Auch aus Deutschland unterstützen uns unsere Betreuer Prof. Dr. Daniel Palm und Prof. Dr. Anja Braun mit wertvollen Hinweisen, zum Beispiel zum methodischen und wissenschaftlichen Vorgehen. Insgesamt hat die Arbeit sehr viel Spaß gemacht.

Was war für Sie der größte Erfolgsmoment?

Den Prototyp unseres selbstentwickelten Tools das erste Mal funktionierend „in Action“ zu sehen. Auch dass die Zusammenarbeit zwischen den Kulturen nach der Kennenlernphase so gut funktioniert hat, war ein Erfolgserlebnis. Und natürlich, dass wir nach unserem Aufenthalt durch den Produktionsdirektor von Malaysia und Jack Goh, Managing Director für das „Regional Product Centre“ aus Singapur, ein großes Lob und so viel Wertschätzung für unsere Arbeit bekommen haben. 

Hatten Sie neben der intensiven Projektarbeitauch Zeit, Malaysia kennenzulernen?

Ja, am Wochenende haben wir versucht, noch etwas mehr von Land und Leuten kennen zu lernen. Wir sind deshalb an einem Wochenende nach Kuala Lumpur gereist und zwei Wochenenden haben wir in Singapur verbracht, wo wir auch das SICK Asia Headquarter besuchen durften.

Was sind die nächsten Schritte im Projekt?

Wir sind weiterhin fleißig an der Projektbearbeitung und in ständigem Austausch mit unseren Ansprechpartnern in Malaysia. Anfang Juli finden dann hier auf dem Reutlinger Campus die MOM-Projektpräsentationen statt. Dort stellen wir in großer Runde vor Kommilitonen, Professoren und Unternehmensvertretern unsere Projektergebnisse vor.