Hochschule Reutlingen
19.10.2026

„Technik im Dienst der Menschen“: KUKA-CEO Christoph Schell verabschiedet ESB-Alumni

259 Absolventinnen und Absolventen der ESB Business School feiern ihren Abschluss.

Hutwurf bei der Graduierungsfeier der ESB Business SchoolFoto: Fotografie Gaby Höss ©

Bachelor-, Master- und MBA-Graduierte der ESB Business School ließen am vergangenen Samstag in der Reutlinger Stadthalle die Hüte fliegen

Für 259 Alumni endete am Samstag das Studium an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen mit dem traditionellen Hutwurf. Festredner in der Reutlinger Stadthalle war einer, der vor 30 Jahren selbst hier seinen Abschluss gemacht hat: Christoph Schell, heute Vorstandsvorsitzender des Robotikherstellers KUKA. Tenor des Abends: Pläne ändern sich – die Menschen bleiben.

Smartphones, Cloud, KI-Assistenten: All das gab es zu Christoph Schells Studienzeit an der ESB Business School noch nicht. Auch in den nächsten Jahrzehnten kommen Technologien hinzu, von denen wir heute noch nichts ahnen. „Definieren Sie sich daher nicht über eine Technologie, sondern über die Fähigkeit, neue Technologien zu lernen“, forderte der KUKA-Chef auf der Festveranstaltung vor über 670 Gästen. Entscheidend sei weniger, was die Graduierten heute wüssten, als ihre Fähigkeit, sich auch künftig neues Wissen anzueignen.

Was bei allem Wandel bleibt, sind für Schell die Menschen. An die Quartalsergebnisse seiner Laufbahn erinnere er sich kaum, an die Menschen dahinter sehr wohl: „Man wird sich daran erinnern, wie Sie andere behandelt haben.“ Wie lange Freundschaften aus dem Studium tragen können, zeigt ein Versprechen, das sich Schell und ein ehemaliger ESB-Kommilitone vor 30 Jahren gaben:

Wer mit Mitte 50 dazu in der Lage ist, verhilft dem anderen zu einem Job. Schell hielt Wort und holte seinen Freund ins Unternehmen. Statt einem Job, einem Unternehmen oder dem Geld hinterherzujagen, sollten die Graduierten sich fragen, was sie bewirken wollten. Etwa bei der Künstlichen Intelligenz: „Die Zukunft gestalten Menschen, die Technologie im Dienst der Menschen einsetzen – nicht gegen sie.“

Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck lenkte den Blick auf die Stadt. Mit einem Zitat des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog erinnerte er daran, dass die Zukunft nicht vorgegeben sei, sondern gestaltet werden müsse. Dafür böten sich auch in Reutlingen Möglichkeiten, etwa im Gründerzentrum Innoport. „Nutzen Sie Technologie, aber lassen Sie sich nicht von ihr bestimmen“, riet Keck. ESB-Dekan Prof. Dr. Markus Conrads griff den Gedanken in seiner Laudatio auf: Künstliche Intelligenz werde vieles schneller und effizienter machen, „aber eines kann Technologie nicht: Verantwortung übernehmen“.

Wie sehr ungeplante Begegnungen ein Leben prägen können, erzählte Mira Gampp, Schriftführerin beim ESB Reutlingen Alumni-Verein. 2013 wollte Mira Gampp in Madrid eigentlich nur mit Spaniern zusammenwohnen. Dann nahm sie doch die Schwester eines ESB-Kommilitonen in ihre WG auf. Die beiden sind bis heute beste Freundinnen. In diesem Jahr fand sie in Barcelona über LinkedIn einen ESB-Alumnus wieder, den sie zehn Jahre nicht gesehen hatte; kurz darauf wanderten beide an der Costa Brava. Gampps Fazit in drei Sätzen: „Sagt ‚Ja‘ zum Ungeplanten. Klopft an, auch wenn Jahre vergangen sind. Und haltet die Tür offen.“

Wie sehr die Studienzeit von Begegnungen geprägt ist, zeigten auch die Beiträge der frisch gebackenen Graduierten. Master-Absolventin Marie Massoth erzählte von ihrem Studium zwischen Reutlingen und Straßburg, in dem man mitten im Gespräch zwischen Deutsch, Französisch und Englisch wechselte – und jede Gruppenarbeit zur Übung in internationaler Diplomatie wurde. Die Bachelor-Absolventinnen Nathalie Hübner und Anaïs Prüfer brachten die Studienzeit auf eine Formel, die man in Reutlingen gern hört: „Reutlingen muss man nicht mögen, man kann es nur lieben.“

Die feierliche Zeremonie mit musikalischen Einlagen endete mit dem traditionellen Hutwurf. Was die Zukunft bringt, wissen auch erfahrene Alumni nicht. Mira Gampp gab den Absolventinnen und Absolventen deshalb ihre eigene Erfahrung mit auf den Weg: „Ich bin Ihnen zehn Jahre voraus, und mein eigener Plan ist immer noch ein Entwurf.“