Nachruf auf Prof. Dr. Hans J. Tümmers (1944-2026)
Als Dozent kam Hans Tümmers 1973 an die Hochschule Reutlingen.1976 übernahm er als junger Professor das Amt des Dekans des Fachbereichs Außenwirtschaft. Und schon 1978 entwickelte er gemeinsam mit seinen Kollegen die Idee eines europäischen, international integrierten Studienprogramms. 1979 wurde er schließlich zum Gründungsdekan des neuen Fachbereichs ESB. Hans Tümmers gehörte zu den Menschen, die nicht nur in bestehenden Strukturen wirkten. Er schuf neue, geradezu disruptive Strukturen und nahm damit Entwicklungen vorweg, die erst Jahre später zum selbstverständlichen Bestandteil europäischer Hochschulbildung werden sollten. Mit der Gründung des „Europäischen Studienprogramms für Betriebswirtschaft“ im Jahr 1979 entstand das erste internationale Doppeldiplomstudium für Betriebswirtschaft in Deutschland.
Die Zusammenarbeit mit den ersten Partnerhochschulen in Frankreich, Großbritannien und Spanien war von Anfang an größer als ein klassisches Austauschprogramm. Sie beruhte auf der Vorstellung, dass akademische Ausbildung und europäische Verständigung miteinander verbunden werden können und sollten.
Die Unterzeichnung des Kooperationsabkommens am 16. März 1979 (v.l.n.r. Gerry Earsl, Hans J. Tümmers und Jeand-Claude Damay)
Studierende sollten in unterschiedlichen Ländern studieren, in gemeinsamen Studienstrukturen ausgebildet werden und am Ende Abschlüsse mehrerer Partnerhochschulen erwerben, getragen von der Idee der „Einheit in Vielfalt“.
Diese Vision erforderte Mut und die Fähigkeit, aus einer Idee konkrete Schritte zu machen. Genau diese Verbindung von Vision und Pragmatismus kennzeichnete Hans Tümmers. Prof. Dr. Ottmar Schneck, ehemaliger Dekan der ESB Business School, beschrieb ihn später als Menschen mit „visionärer Vorstellungskraft“ und zugleich „zupackendem Pragmatismus“.
Dass aus der ursprünglichen Idee eine nachhaltige Erfolgsgeschichte werden konnte, war keineswegs selbstverständlich. Im Herbst 1979 nahm das „Europäischen Studienprogramms für Betriebswirtschaft“ mit gerade einmal sechs Professoren und 32 Studierenden ihren Studienbetrieb auf.
Hans Tümmers verstand die ESB dabei nicht allein als Ort guter Lehre. Er wollte eine Fakultät schaffen, die international denkt, unternehmerisch handelt und ihren Studierenden außergewöhnliche Möglichkeiten eröffnet. Früh suchte er deshalb auch die enge Verbindung zu Alumni und Wirtschaft. So initiierte er bereits 1977 die Gründung des Vereins Reutlinger Betriebswirte und orientierte sich dabei an der engen Alumni-Kultur der französischen Grandes Écoles.
Sein Wirken in Reutlingen endete 1990 zunächst, doch seine Verbindung zur ESB riss nie ab. Nach Tätigkeiten als Europabeauftragter des Wirtschaftsministers von Baden-Württemberg, als Leiter einer Management School in Straßburg und als Präsident einer privaten Hochschule kehrte er 2004 an die ESB zurück. Auch nach seinem erneuten Abschied von der ESB im Jahr 2008 unterstützte und initiierte er internationale Kooperationen, unter anderem mit Partnern in Straßburg und Krakau.
Vieles, was inzwischen selbstverständlich zum Selbstverständnis der ESB Business School gehört, wie internationale Studienprogramme, integrierte Auslandsaufenthalte, Doppelabschlüsse, enge Partnerschaften mit Hochschulen in aller Welt und eine internationale Gemeinschaft von Studierenden und Lehrenden, führt auf Grundlagen zurück, die Hans Tümmers und seine Mitstreitenden damals gelegt haben.
Aus der Perspektive der ESB ist jedoch vielleicht etwas anderes die nachhaltigste Würdigung seines Lebenswerks: Generationen von Studierenden haben erfahren, was es bedeutet, in mehreren Ländern zu studieren, andere akademische und gesellschaftliche Kulturen kennenzulernen und Freundschaften über Grenzen hinweg zu schließen.
Wir werden Prof. Dr. Hans J. Tümmers als visionären Hochschullehrer, mutigen Gründer, leidenschaftlichen Europäer und engagierten Wegbereiter der internationalen Hochschulbildung in Erinnerung behalten.
Seine Idee lebt weiter: In der ESB, in ihren internationalen Partnerschaften und vor allem in den Menschen, die durch die ESB den Blick über Grenzen hinweg gelernt haben.
Unser Mitgefühl gilt allen, die ihm persönlich verbunden waren.
Die ESB Business School
Hochschule Reutlingen











