21.09.2020

Von der Bachelorarbeit zum Konferenzbeitrag

Isabel Feucht (IB 2020) präsentiert ihre Abschlussarbeit auf der 38. Internationalen Konferenz der Gesellschaft für System Dynamics (ISDC)

Von Isabel Feucht & Florian Kapmeier

Isabel Feucht hat in ihrer Bachelor-Thesis im BSc International Business untersucht, warum die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen in Deutschland nach einem gewaltigen Boom so stark nachgelassen hat, was die Einflussfaktoren auf die Nachfrage sind und wie der weitere Ausbau von Photovoltaik möglich sein könnte. Die Abschlussarbeit gibt wertvolle Anhaltspunkte, um vergangene und künftige Maßnahmen in der Energiepolitik besser beurteilen zu können. Isabel Feuchts Arbeit war so gelungen, dass sie sie mit ihrem Betreuer Prof. Dr. Florian Kapmeier für die 38. Internationale System Dynamics Konferenz (ISDC) einreichte. Auf der virtuellen ISDC-Konferenz von 20.-24. Juli stellte sie sie vor.

Wodurch wurde die Photovoltaik-Nachfrage in Deutschland beeinflusst? Und was hätte die Politik rückblickend anders entscheiden müssen, damit die Nachfrage nicht so stark einbricht und der deutsche Photovoltaikmarkt gestärkt wird? Mit diesen Themen befasste sich Isabel Feucht unter Leitung von Prof. Dr. Florian Kapmeier in ihrer Bachelorarbeit mit dem Titel „Assessing the Boom and Bust of the German Photvoltaic Market – A System Dynamics Analysis“. Die Fragen sind für politische Entscheidungsträger von hoher Bedeutung: Um die Energiewende und die Klimaziele zu erreichen, bedarf es eines koordinierten Vorgehens, das vom Verständnis der Treiber und Einflussfaktoren der Energiepolitik geleitet sein muss. Insbesondere die Diskussion, wie eine Steigerung der installierten Photovoltaik-Kapazität möglich ist - auch im Hinblick auf die aktuellen Klimaziele und Energiewende - steht immer wieder im Mittelpunkt.

In ihrer Abschlussarbeit nutzte Frau Feucht Daten zu den Entwicklungen der installierten Photovoltaik-Kapazität in Deutschland. Außerdem führte sie Interviews mit Experten aus verschiedenen Bereichen durch, um herauszufinden, welche Faktoren die Nutzung von Solarenergie maßgeblich beeinflussen. Mit diesen Informationen entwarf sie ein quantitatives Simulationsmodell nach der Methode von System Dynamics, kalibrierte es anhand echter Daten und Erkenntnisse aus Interviews und simulierte die Entwicklung der installierten Photovoltaik-Kapazität. Die Methode von System Dynamics wird in erste Linie eingesetzt, um das Sachverhalten von dynamisch-komplexen Systemen zu erklären. Dabei werden in praxisbezogenen Anwendungen relevante Systemstrukturen modelliert und Simulationsläufe analysiert.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Untersuchung gehört, dass die Rentabilität von Photovoltaik eine große Rolle spielte und der Bekanntheitsgrad der Technologie einen deutlichen Einfluss auf die Entwicklungen hatte. Hinzu kam, dass sogenannte „Vorzieheffekte“, durch Senkungen der Energie-Einspeisevergütung Investmentimpulse ausgelöst haben.

Frau Feuchts Vortrag bei der ISDC lag in einer Session zum Schwerpunkt Energiewende, in der auch Vorträge zum Thema Energieeffizienz oder nachhaltigen Energieträgern gehalten wurden. In der anschließenden Diskussion durfte sich die ESB-Absolventin über viele positive Rückmeldungen, aber auch über konstruktives Feedback freuen. So wurde unter anderem die Anwendbarkeit des Modells auf andere Bereiche wie Elektromobilität oder Windenergie erörtert oder Anregungen für Erweiterungen gegeben.

Die diesjährige 38. International System Dynamics Conference stand unter dem Motto „Hindsight in 2020: Learning from the Past to Inspire the Future”. Eigentlich hätte sie in Bergen, Norwegen stattfinden sollen. Stattdessen wurde eine virtuelle Lösung für die Konferenz gefunden, um sich der aktuellen COVID-19-Pandemie anzupassen. Die Konferenzbeiträge wurden live im Online-Format vorgetragen und aufgezeichnet, so dass sich auch Teilnehmende aus anderen Zeitzonen die Beiträge zu einem späteren Zeitpunkt anschauen konnten. Zusätzlich gab es zu jedem Beitrag eine zeitversetzte „Echo-Session“, die nochmal die Möglichkeit gab, sich mit den Autoren über die Inhalte der Vorträge auszutauschen. Hinzu kamen zahlreiche Networking-Möglichkeiten in der eigens für die Konferenz erstellten 3-D-Umgebung, in der sich die Teilnehmenden einen persönlichen Avatar erstellen konnten. So konnten Gespräche mit anderen Konferenzteilnehmern geführt werden, während man sich unter die virtuellen Poster und Ausstellerstände mischte oder am „virtuellen Bankett“ teilnahm.