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26.04.2021

Interdisziplinärer Impuls

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte im Gastvortrag über die Rationalität politischen Entscheidens

Von Katrin Reil

Mit den „Auswirkungen von politischen Risiken auf Geschäftsentscheidungen“ beschäftigen sich Studierende im 4. Semester des BSc International Management Double Degree im gleichnamigen Wahlpflichtmodul. Vor Kurzem lauschten Sie einem besonders renommierten Gastdozenten: Der führende Politikwissenschaftler Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen, hielt einen Impulsvortrag über „Politisches Entscheiden und den Stoff des Politischen“.

„Demokratie ist die Staatsform der Zuversicht,“ stellte Prof. Korte einleitend fest. Wählerinnen und Wähler entscheiden sich für den Kandidaten, in den sie am meisten Hoffnung setzen. Daher sei es wichtig, so der Experte, dass Politikerinnen und Politiker gute Geschichten erzählen und die richtigen Bilder senden.

Seine Ausführungen unterlegte er auch selbst mit Fotos. Franz Müntefering blickt die Kanzlerin mal skeptisch, mal freundlich an – welches Bild wird am Ende gedruckt? Und wie berichtet man über Corona – mit einem Foto aus der Krisenregion Bergamo oder von Impfstoffentwickler Ugur Sahin? „In einer Demokratie muss sich die Politik vor Wählern rechtfertigen und bedarf einer Legitimation. Kommunikation in Wort und Bild ist daher eine sehr zentrale Machtquelle,“ so Prof. Korte.

Anschließend stellte er einige Grundmechanismen des politischen Betriebs dar, zum Beispiel die verschiedenen Arenen des Politikmanagements, von der parlamentarischen bis hin zur öffentlichen. Sachlich-nüchtern wies er darauf hin: „Es geht in der Politik nicht nur um das Lösen eines Problems, sondern immer auch um die Wiederwahl und darum, so lange wie möglich mehrheitsfähig zu bleiben.“ Das führe beispielsweise dazu, dass Politikerinnen und Politiker Entscheidungen hinauszögern oder sich floskelhaft ausdrücken, anstatt verbindlich zu werden.

Auch den Unterschied zwischen einer sozialen und einer politischen Beziehung erklärte der Politikwissenschaftler anschaulich: „Wenn ein Freund Sie fragt, ob Sie mit ihm einen Kaffee trinken gehen, dann machen Sie das ohne Hintergedanken. Unter Politikern ist diese Frage hochgradig aufgeladen: Wer fragt und warum? Wohin gehen wir? Wer sieht uns? Was sagen wir darüber? Auf dieses Spiel müssen Sie als Politiker Lust haben.“

In der anschließenden offenen Fragerunde griffen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Prof. Kortes Ausführungen auf, setzten sie fort und baten um Einordnung aktueller Geschehnisse. Die K-Frage der Union wurde ebenso diskutiert, wie der schmale Grat zwischen Mobilisierung und Polarisierung der eigenen Anhängerschaft, unterschiedliche politische Führungsstile und die zunehmende Professionalisierung des politischen Betriebs in einer immer komplexeren, medial verdichteten Welt.

Abschließend schlug der Politikexperte auch den Bogen zur Wirtschaft. Der ökonomische Sachverstand von Politikern habe durch mangelnde wirtschaftliche Praxiserfahrung eher abgenommen, so seine Einschätzung. Dennoch nimmt die Wirtschaft heute nicht mehr Einfluss auf das politische Geschehen als früher. Das sei unter anderem so, weil nicht alleine die beste Expertise politische Entscheidungen beeinflusse, sondern auch andere Faktoren: „Die Güterabwägung trifft am Ende immer noch die Politik.“

Den Crashkurs durch die Politikwissenschaft honorierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit virtuellem Applaus. Prof. Dr. Julia Brüggemann, auf deren Einladung hin der Gastvortrag stattfand, zeigte sich ebenfalls überzeugt: „Interdisziplinäre Impulse und hochkarätige Gastdozenten sind ein Qualitätsmerkmal unserer Lehre. Der virtuelle Besuch von Prof. Korte reiht sich hier nahtlos ein und war eine Bereicherung. Wir danken ihm für die spannenden Einblicke und werden darüber sicher auch in den Folgeveranstaltungen noch viel diskutieren.“