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05.05.2022

Zwischen Inflation und Ukraine-Krieg

Expertinnen und Experten diskutieren beim ESB Wirtschaftsforum zur Lage der Europäischen Union

Prof. Dr. Achim Wambach - Präsident des ZEW Mannheim

Dr. Daniel Stelter - Ökonom und Autor, Herausgeber des Podcasts “Beyond the Obvious 2.0”

Evelyne Gebhardt - ehemalige Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, SPD-Politikerin

Prof. Dr. Hans-Peter Burghof - Universität Hohenheim, Experte für Bankwirtschaft und Financial Management

Von Katrin Reil

„Action needed – Die Zukunft Europas wartet nicht!“ – das Thema des ESB Wirtschaftsforums 2022 stand bereits seit rund einem Jahr fest. Ursprünglich sollte das Europäische Jahr der Jugend mit der studentisch organisierten Podiumsdiskussion an der ESB Business School gewürdigt werden. Durch den Angriff Russlands auf die Ukraine bekam die Veranstaltung an der Hochschule Reutlingen eine neue Brisanz. Fünf hochkarätige Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft diskutierten gestern zur aktuellen geopolitischen Situation und der Rolle der Europäischen Union darin.

Die Bewertung des russischen Angriffs auf die Ukraine fiel einhellig aus: „Was jetzt gerade geschieht, ist ein Angriff gegen die Demokratie, gegen Freiheit und Frieden“, fasste Evelyn Gebhardt, SPD-Politikerin und ehemalige Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, zusammen. Auch über die generelle Einigkeit der Europäischen Union und deren geschlossenes Handeln zeigten sich die Rednerinnen und Redner grundsätzlich erfreut. Für Ökonom und Autor Dr. Daniel Stelter gibt es jedoch einen Wermutstropfen. Die aktuelle Situation führe dazu, dass sich die Europäische Union anderen Problemen nicht stelle und Themen wie den Brexit oder mangelnde Wettbewerbsfähigkeit aufarbeite. „Das könnte den Keim legen für viel größere Probleme der EU in der Zukunft“, warnte Stelter.

Beim ESB Wirtschaftsforum thematisierten die Expertinnen und Experten zahlreiche Punkte, die derzeit die öffentliche Debatte bestimmen. Ein Öl- oder Gasembargo gegen Russland wurde ebenso kontrovers beleuchtet, wie eine mögliche Leitzinsanhebung der Europäischen Zentralbank zur Bekämpfung der Inflation oder das künftige Verhältnis zwischen Russland und China.

Ein zentraler Diskussionspunkt war die Abhängigkeit Europas in einer globalisierten Welt. Wäre in der aktuellen Situation ein Prozess der Deglobalisierung sinnvoll? Felix Kuhnert, Automobilexperte und Partner bei der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, hatte dazu eine zwiespältige Haltung. Einerseits habe die EU von globalen Geschäftsmodellen extrem profitiert und werde auch künftig darauf aufbauen müssen. Andererseits: „Die Wirtschaft kann sich nicht aus geopolitischen Konflikten herausziehen. Global agierende Unternehmen müssen Farbe bekennen für die Werte, für die sie stehen.“

Eine Verlagerung von mehr Produktion nach Europa betrachtete Professor Dr. Hans-Peter Burghof, Experte für Bankwirtschaft und Financial Management an der Universität Hohenheim, dennoch kritisch: „Wir sind zu klein, um alles zu können. Wir brauchen aber Diversifizierung, um keine Abhängigkeiten zu schaffen.“ Dafür, so Burghof, seien unter anderem wettbewerbsrechtliche Änderungen nötig. Professor Dr. Achim Wambach, Präsident des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, pflichtete ihm bei und betonte gleichzeitig die Wichtigkeit neuer und verstärkter globaler Partnerschaften mit Regionen wie Südamerika oder Ländern wie Kanada. „Eine der Konsequenzen dieses Krieges ist für mich, dass wir auf Handelsverträge setzen“, folgerte er.

Bei allen Herausforderungen, vor denen die Europäische Union aktuell steht, wies das Podium des ESB Wirtschaftsforums auch immer wieder auf deren Stärke hin. „Europa hat die Fähigkeit, ganz unterschiedliche Lösungen auf engem Raum zu finden. Diese Vielfalt der Lösungskonzepte dürfen wir nicht aufgeben“, appellierte Professor Dr. Hans-Peter Burghof.

In der abschließenden Fragerunde hatten die Zuhörerinnen und Zuhörer in der gut besetzten Aula der Hochschule Reutlingen vor allem ein Anliegen: Was können wir konkret tun, um zu handeln und die Zukunft Europas zu tragen? Evelyn Gebhardt fand hierfür eindrückliche Worte: „Mischen Sie sich ein, machen Sie mit, gestalten Sie. Nutzen Sie als Studierende Programme wie ERASMUS+. Es gibt viele Möglichkeiten, sich in Europa einzubringen und Erfahrungen zu sammeln.“

Über das ESB Wirtschaftsforum

Die Moderation des ESB Wirtschaftsforums 2022 übernahm Dr. Julia Hagel. Die öffentliche Veranstaltung wurde zum 26. Mal von Studierenden der ESB Business School organisiert. Die Mitglieder des diesjährigen Kernteams waren Sofia Schwartz, Leon Kozak und Louis Vaillant (Referentenakquise), Camille Wambsganss und Samuel Krämer (Marketing) sowie Laura Wachsmann und Pepe-Samuel Willer (Logistik).