Hochschule Reutlingen
31.03.2026

Karriere braucht Haltung: ESB-Alumni starten ins Berufsleben

160 Absolventinnen und Absolventen der ESB Business School der Hochschule Reutlingen feiern ihren Abschluss. Für die frischgebackenen Alumni endete am Samstag das Studium an der ESB Business School mit dem traditionellen Hutwurf.

@ Fotografie Gaby Höss ©

Beim Festakt in der Reutlinger Stadthalle blickten Studierende und Lehrende auf ihre Studienzeit zurück. Tenor der Festreden: Bleibt menschlich und tragt Verantwortung. 

Den Ton setzte Festredner Stefan Hirth, Alumnus des Jahrgangs 1998. Für ihn ging es nach seinem MBA-Abschluss an der ESB steil nach oben: Namhafte Unternehmen wie Bosch Rexroth stehen in seiner Vita. Mit Mitte 40 dann der Bruch: Hirth wechselte zu einem Weltmarktführer im Maschinenbau und spürte schnell: „Meine Freude an der Arbeit, meine positive Energie, ging verloren. Ich merkte: Ich funktioniere, aber ich wirke nicht mehr.“ Damals habe er entschieden, keine Jobs mehr wegen der Karriere zu machen. So erfand sich Hirth mit Anfang 50 neu und ist heute er Berater und systemischer Coach. Seine Kernthese für die Absolventinnen und Absolventen: „Karriere ist kein Titel, sondern Wirkung. Und die entsteht durch Haltung.“

Prof. Dr. Markus Conrads, Dekan der ESB Business School, knüpft daran an: Diese Perspektive griff auch Dekan Prof. Dr. Markus Conrads auf. Er verwies auf eine zentrale Differenz, die viele Absolventinnen und Absolventen erst im Berufsleben wirklich verstehen: „Im Studium lernen wir Modelle. In der Praxis treffen wir Entscheidungen unter unvollständigen Informationen und müssen dafür Verantwortung übernehmen.“ Gerade in solchen Situationen zeige sich, ob jemand lediglich gut analysieren könne oder tatsächlich handlungsfähig sei. Die zunehmende Verfügbarkeit von Künstlicher Intelligenz verschärfe diese Anforderungen noch einmal. Zwar könne KI viele Antworten liefern. Was sie jedoch nicht zuverlässig leiste, sei zu erkennen, worauf es im konkreten Einzelfall wirklich ankomme. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liege daher künftig weniger in der Ausarbeitung perfekter Lösungen als in der Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen und das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen.

Für Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck ist eine exzellente Ausbildung wertvoller denn je. Wandel sei ein Gestaltungsauftrag. „Übernehmen Sie Verantwortung, seien Sie mutig“, riet Keck den Absolvierenden. Dabei griff er Stefan Hirths Gedanken auf: „Handeln Sie dabei wertebasiert und mit Haltung.“

Oder schlicht: „Bleiben Sie Mensch – in einer digitalen Welt.“ So formulierte es Constantin Huesker. Der Schatzmeister des ESB Reutlingen Alumni Vereins hält dabei Künstliche Intelligenz für keine Bedrohung: „Die KI kennt Daten, aber nicht die Realität.“

Dass die ESB auf diese Anforderungen vorbereitet, bestätigten die Absolventinnen und Absolventen aus eigener Erfahrung. Master-Absolvent Philipp Dern, heute als Berater tätig, zog eine persönliche Bilanz: „Mir hat die Zeit an der ESB sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die praktischen Tools mit an die Hand gegeben, die ich heute wirklich jeden Tag einsetze." Entscheidend sei dabei nicht nur das Studium selbst gewesen, sondern auch die Gemeinschaft: „Unser Semester hat wirklich Vollgas gegeben. Wir haben uns motiviert, haben uns kritisiert, aber vor allem haben wir gegenseitig Bestleistung abgerufen." Internationaler MBA-Absolvent Bimal Minz erinnerte sich an eins der ersten deutsche Sprichwörter, die er in Reutlingen lernte: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Wobei er erkannt habe, dass dieser Rat eine Metapher sei, etwa für die globale Wirtschaft. „Im anspruchsvollen MBA-Programm der ESB haben wir gemeinsam unsere Fähigkeiten wetterfest gemacht.“
Diese Bedeutung des Miteinanders fassten die Bachelorandinnen Virginie Huber und Mayumi Wolter in ihrer Abschlussrede zusammen: „Egal, wohin uns unser Weg führt, am Ende sind es Zusammenhalt, Offenheit und gegenseitige Unterstützung, die uns erfolgreich machen. Als Studierende, im Beruf und vor allem als Menschen.“

Die Graduierungsfeier mit rund 500 Gästen bildete den feierlichen Rahmen für diesen Übergang. Doch die zentrale Botschaft des Tages ging über den Moment hinaus: Fachwissen bleibt wichtig, aber entscheidend ist, wie es eingesetzt wird. Das müsse aber nicht das Ende sein, sondern ein Anfang, so Dekan und Jurist Markus Conrads. „Werden Sie Teil der ESB Alumni-Gemeinschaft – am besten lebenslänglich.“