Hochschule Reutlingen

Namibian German Incubator

Die Hochschule Reutlingen wird mit der University of Namibia (UNAM) eine neue Zusammenarbeit in den Bereichen Capacity Building für Hochschulen, für Unternehmensentwicklung und für den Bereich Service Learning aufbauen. Der erste „Namibian German Incubator“ wird die Infrastruktur der beiden Hochschulen nutzen, um für die genannten Bereiche den notwendigen Kompetenzaufbau, Coaching und Training, voranzutreiben.

Das Projekt wird in der Phase der Anschubfinanzierung analysieren, welche Fachgebiete und Aktivitäten der beiden Fakultäten der ESB Business School und Fakultät Informatik der Hochschule Reutlingen mit ihren Master- und Bachelorstudienprogrammen, der Lehr- und Forschungszentren sowie vorhandenen Erfahrungen in internationalen Kooperationen, bezogen auf die drei Programmansätze für eine beidseitig nachhaltig erfolgreiche Zusammenarbeit geeignet wären. Ziel ist die Konzeption eines ersten „Namibian German Incubator“ an der UNAM.

 

Die Programmansätze umfassen: 

  1. Kapazitätsentwicklungsprogramm zur Verbesserung der Lehre und des Lernens, inkl. Personalentwicklung (Doktorandenprogramm) 
  2. Programm zum Aufbau von Kapazitäten in der Unternehmensentwicklung.  
  3. Kapazitätsentwicklungsprogramm für Service Learning zur Unterstützung von Forschungsprogrammen für Gemeinden und Industrie. 

Vorgehensweise

Das Vorhaben umfasst folgende fünf Module:

Basierend auf einer Stakeholder- und Umfeldanalyse soll eine geeignete Struktur und die erforderliche Organisation erarbeitet sowie mögliche Finanzierungquellen identifiziert werden. Dies soll die Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten von Forschenden, Lehrenden und Studierenden der UNAM wie auch HSRT erleichtern bzw. erst ermöglichen.

Im Modul B soll das Leistungsangebot des künftigen Inkubators definiert werden. 

Dafür wird: 

  • die erforderliche Infrastruktur für die Ideenentwicklung, die Ideenvernetzung und die Umwandlung von Ideen in Produkte etabliert sowie deren Verwertung analysiert und bestimmt.

  • das Leistungsangebot in Bezug auf Kompetenzaufbau, Coaching und Training diskutiert und festgelegt sowie das Methodenportfolio, wie z. B. Design Thinking und Innovationmanagement, definiert.

  • Der Kontakt zu möglichen Vernetzungsoptionen mit Firmen und industrienahen Organisationen aus Namibia, Deutschland, der EU und Afrika hergestellt und analysiert.

Im Modul C folgt die Ableitung der erforderlichen Studienprogramme und Curricula in den Schwerpunkten Informatik und Manufacturing sowie die Ermittlung des Entwicklungsbedarfs als Enabler für die Qualifizierung der Studierenden als künftige Kunden des Inkubators.

Dies erfolgt durch die:

  • Analyse und Integration vorhandener Module und Programme der Fakultät ESB Business School im Bereich Industrial Engineering, intelligente Produktion, Smart Product, Smart Factory Logistics, innovative Technologien und Digitalisierung 

  • Konzeption/Integration angewandter Informatikprogramme/-module (sogenannte Bindestrich-Informatik) zur besseren Vernetzung der Informatik und der Anwendungsdomäne (Fertigung). Wie an vielen ausländischen Hochschulen, sind auch an der UNAM Informatik und die Anwendungsbereiche klar getrennt. Hier gilt es, die Anwendungsgebiete wie Wirtschaft-, Medizin-, Produktion- und Medien-/Kommunikation miteinander zu verzahnen. Dabei ist außerdem die Verbindung zu der School of Computing angedacht.  

Im Modul D wird ein Kooperationsmodell für die beiden Hochschulen HSRT und UNAM untersucht. Dies erfolgt beispielsweise in Hinblick auf einen Studierendenaustausch mit Fokus auf projektbasierte, interdisziplinäre Veranstaltungen, den Austausch von Lehrenden in Form einer Flying Faculty oder auch Joint Lectures. Da die UNAM mehrere Standorte hat, wird die Möglichkeit von räumlich verteilten Lehrprogrammen untersucht, ebenso ob Reutlingen als weiterer Standort eingebunden werden könnte.

Eine Fortführung und somit die Nachhaltigkeit des hier beantragten Vorhabens wird zum einen durch die Strategie der Hochschule Reutlingen und zum anderen durch gezielte Einzelmaßnahmen erfolgen. Diese Strategie wird durch die Fakultäten umgesetzt, was bedeutet, dass ihre internationalen Kooperationen in Afrika weiter in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ausgebaut werden.

Bisherige Ergebnisse

Im Rahmen des langfristigen Austauschs in Wissenschaft und Gesellschaft in Afrika und auf Basis der seit 2012 bestehenden Kooperation der Hochschule Reutlingen und der Universität Namibia (UNAM) ist die Projektskizze „Namibian Interdisciplinary Innovation Hub (NIIH)“ entstanden. Kernaktivitäten und -inhalte des Vorhabens NIIH wurden im Februar 2020 in einem Stakeholder-Workshop mit mehr als 70 Vertretern aus Ausbildung, Wissenschaft, Politik, den einzelnen Regionen sowie der Industrie und ihren Verbänden erarbeitet. Zusätzlich flossen die Erkenntnisse aus den Fachgesprächen der UNAM Delegation an der Hochschule Reutlingen sowie der Universität Hohenheim in 2019 ein. 

Diese Projektskizze war die Grundlage für eine Antragstellung einer Projektfinanzierung bei der African Development Bank. 

Zu Beginn 2021 wurde diese Projektskizze um weitere Aspekte der Industrie 4.0 sowie um zukunftsorientierte Branchen für Namibia ergänzt. Dadurch ist eine umfassende Projektidee „4IR – 4. Industrial Revolution- Innovation Entrepreneurship and Technology Hub (4IR Hub) “ entstanden. Das Vorhaben würde die nationalen Ziele zur Erreichung einer nachhaltigen und wirtschaftlich leistungsfähigen Gesellschaft und Wirtschaft in Namibia unterstützen. Es hat den Anspruch langfristig "namibische Lösungen" zu entwickeln.

In Hinblick auf die Tiefe der lokalen Wertschöpfung ist eine Verlagerung der namibischen Wirtschaft von Rohstofflieferanten hin zur Wertschöpfung durch eine lokale Produktion von Fertigwaren entscheidend. Technologien der vierten industriellen Revolution (4IR Hub) können in einer Vielzahl von Branchen und Disziplinen eingesetzt werden, um Namibia wirtschaftlich wettbewerbsfähiger und widerstandsfähiger zu machen. Innovative Produktionen, Logistik, Präzisionslandwirtschaft und -hydrobiologie, digitale Gesundheitsversorgung, digitale Regierung, digitales Business usw. können Namibia, durch auf seine Bedingungen angepasste Lösungen, zugutekommen. Würde die dafür notwendige Qualifizierung nicht strategisch zielgerichtet und mit einer gewissen Breitenwirkung in die postgraduale Ausbildung zukünftiger Fachkräfte integriert und gleichzeitig ein Qualifizierungsangebot auf der Basis von Weiterbildung konzipiert und angeboten werden, würde viel Zeit vergehen bis messbare Einflüsse in Industrieprojekten und anderen Wirtschaftsbereichen wirksam werden.

Um die oben angegebenen Ziele zu erreichen, wurden von den Kooperationspartnern im Vorhaben 4IR Hub eine Vielzahl an koordinierten Aktivitäten entlang des Lebenszyklus der Hochschulweiterbildung, der Forschung und Innovation, der Entwicklung sowie des Transfers in Zusammenarbeit für wichtige Branchen von Namibia konzipiert. Diese sollen bei einer Förderung des Vorhabens in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern umgesetzt werden. Durch diese konzertierte und abgestimmte Vorgehensweise sowie der Involvierung aller Stakeholder Namibias, wird eine Effektivität in der Umsetzung erreicht, die ein einzelner Akteur nicht leisten könnte. 

Die bisherigen Programmansätze haben verdeutlicht, dass ungenutzte Potenziale erschlossen und Synergien für die Weiterentwicklung der interdisziplinären Themen in Ausbildung, Forschung und Entwicklung genutzt werden sollten!

Dr. Hans-Dieter Schinner

Unser Projektpartner

Ihre Ansprechpartnerin

Beschaffungs-, Produktions- und Transportlogistik, Industrial Engineering

Gefördert von

Das Projekt wird mit einer Anschubfinanzierung im Rahmen des Förderprogramms „Langfristiger Austausch mit Afrika“ des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg MWK unterstützt.